Kadavergehorsam

...nein danke!

Niemand braucht einen Hund, der nur um des Gehorchens willen folgt und erst recht keinen, der nur auf dem Platz "funktioniert" und draussen kaum abrufbar ist. Auch sind "Sitz" und "Platz" nicht alles in einem Hundeleben.

Gehorsam bedeutet für uns viel mehr, dass wir unsere Hunde jederzeit kontrollieren können und dass er weder sich noch andere durch sein Verhalten gefährdet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen kleinen oder grossen Hund handelt. Denn für einen Jogger oder ein gejagtes Tier macht dies keinen wirklichen Unterschied.

Eine gute Erziehung ist aber auch noch aus anderen Gründen wichtig. Denn ein gut erzogener Hund geniesst automatisch mehr Freiheiten. Und darf so nicht nur an vielen Orten frei laufen und seine Schnüffel- und Sozialbedürfnisse befriedigen, wo andere an die Leine gebunden sind, sondern seinen Menschen auch überall hin begleiten, wo Hunde erlaubt sind.

Apropos Leine: Benutze diese immer so, als ob du keine in Händen hieltest. Dann brauchst du sie auch nicht, wenn dein Hund ohne ist.

Dies alles erreichen wir aber nicht alleine durch das Üben auf dem Platz. Vielmehr ist es wichtig, dass während der täglichen Spaziergänge immer wieder kleine Übungseinheiten eingestreut oder mit dem Hund kleine Schnüffelspiele oder Erkundungstouren durchgeführt werden. So bleibt der Mensch für seinen Hund auch ausserhalb von Wohnung und Platz interessant. Und er wird immer häufiger von sich aus auf ihn achten und den Radius um ihn verkleinern, um ja nicht zu verpassen, wann wieder etwas Spannendes beginnt.

Genauso wichtig ist aber auch, dass der Hund auf dem Spaziergang einfach mal Hund sein darf und seinen eigenen Bedürfnissen nachgehen darf, solange er niemanden gefährdet und immer noch in mentaler Verbindung mit uns bleibt.

Bei all dem dürfen aber spezifische Charaktereigenschaften und Rassemerkmale nicht einfach unterdrückt, sondern sie sollen kontrolliert und in annehmbare Bahnen gelenkt werden. Auch ist es wichtig seine eigenen und die Grenzen seines Hundes zu akzeptieren und mit geeigneten Management-Massnahmen darauf zu reagieren (wie z.B. Schleppleine in wildreichen Gebieten, Maulkorb in kritischen Situationen, Splitten, vorausschauendes Handeln...)

Das Ziel dabei ist ein harmonisches Miteinander von Mensch und Hund, welches nie über Druck oder Zwang, sondern immer nur über Motivation, Kommunikation und Konsequenz erreicht werden kann.

Bedenke dabei immer: Der Hund ist kein Roboter und er wird wie wir immer mal wieder Fehler machen und nicht so perfekt sein, wie wir ihn uns wünschten. Er macht dies aber sicherlich nicht um uns zu ärgern, sondern es gehört zum normalen hündischen Verhalten dazu. Genauso wie auch wir vielleicht einmal etwas schneller fahren als erlaubt wäre.

(c) 2008 TeamSchule - Monika Oberli