Unerwünschtes Verhalten versus Verhaltensstörungen

Sie werden sich bestimmt fragen, weshalb diese Unterscheidung überhaupt wichtig ist. Denn in beiden Fällen sind sie doch störend und oft auch unerwünscht.

Das stimmt! Zumindest aus Sicht des Menschen. Aber wie sieht es für den Hund aus?

Vieles, was wir als Problem bezeichnen, gehört für ihn zum ganz normalen hündischen Verhaltensrepertoire. Denn in seiner Welt müsste er jagen, um zu überleben und Fremde verbellen, um diese von seinen Besitztümern fern zu halten. Es liegt an uns, diese Verhalten durch Erziehung und Training in die richtige Bahnen zu lenken.

Im Gegensatz dazu ist eine Verhaltensstörung auch für den Hund problematisch, beeinflusst seine Lebensqualität und macht ihn langfristig krank. Sie muss deshalb so früh als möglich als solche erkannt und behandelt werden.

Hier eine Beschreibung, wodurch diese unterschieden werden können:

Ein unerwünschtes Verhalten bezeichnet Verhaltensweisen, die aus Sicht der jeweiligen Tierart, Rasse oder einzelnen Tieres normal sind. Sie sind aus seiner Biologie und Herkunft erklärbar. Erst im Zusammenleben mit Menschen und anderen Tieren werden enige von diesen als störend oder gar problematisch wahrgenommen.

Als Verhaltensstörungen (z.B. Zwangsstörungen) werden Verhaltensweisen bezeichnet die für die jeweilige Tierart oder in der Häufigkeit nicht normal sind:

Daraus wird ersichtlich, dass Zwangsstörungen in der Regel von normalen Verhaltensweisen abgeleitet sind (wie Pflege, Bewegung, Essen..). Sie unterschieden sich von diesen jedoch durch die sich wiederholende, relativ unveränderlichen Abfolge von Aktivitäten oder Bewegungen.

Mit diesem Verhalten verschafft sich das Tier Linderung von seinen Leiden, da während dessen Beruhigungs-und Glückshormone ähnlich wie bei einem Heroinsüchtigen freigesetzt werden. Mit der Zeit wird das Tier von diesen Hormonen so abhängig, dass das Verhalten selbst nach Verbesserung der Lebensumstände nur sehr schwer abgelegt wird, wenn überhaupt.

Oft resultieren diese Verhaltensstörung aufgrund einer falschen Haltung bzw. Unterdrückung der natürlichen Bedürfnisse eines Hundes. Aber auch ein permanent hoher Stresslevel kann verantwortlich dafür sein.

Treten diese Zwänge über einen längeren Zeitraum und/oder hoher Intensität auf, gefährden sie die körperliche und geistige Gesundheit eines Tieres.

Daneben gibt es noch das fehlgerichtete Verhalten. Dieses bezeichnet Verhaltensweisen, die für die jeweilige Tierart oder Rasse zwar normal sind, jedoch auf ein falsches Ziel ausgerichtet sind (z.B. Fressen von Plastik, Jagen von kleinen Hunden...). Dies kann für das jeweilige Tier selbst oder im Zusammenleben mit Menschen oder anderen Tieren in vielen Fällen störend und manchmal sogar gefährlich werden.

Treten Verhaltensänderung plötzlich auf, so ist immer erst ein Besuch beim Tierarzt angesagt, bevor mit dem eigentlichen Training begonnen wird. Denn Schmerzen, Hormon- und Stoffwechselveränderungen, aber auch Infekte, nachlassende Sinne, Traumatas und vieles andere mehr, könnten zu dieser geführt haben.

© 2013 - Teamschule - Monika Oberli