Hunde knurren...

"Ein Hund, der knurrt ist nicht gefährlich. Er kommuniziert!"
Dr. Dorit U. Fedderson-Peterson

Ein Hund der knurrt teilt damit seiner Umwelt mit, dass er sich in der augenblicklichen Situation nicht wohl fühlt oder dass er gar überfordert ist.

Dabei spielt es keine Rolle, wie wir selbst die Situation einschätzen - aus Sicht des Hundes GIBT es einen Grund, weshalb er genau in dem Moment knurrt.

Leider nehmen viele Menschen dieses Warnsignal nicht als solches wahr. Im Gegenteil, sie schimpfen den Hund für seine Kommunikation noch aus oder versuchen das Knurren auf andere Art zu unterbinden. Dabei bedenken sie nicht, dass sie dem Hund dadurch ein wichtiges Kommunikationsmittel nehmen und ihn mit ihrem eigenen Verhalten noch mehr stressen. Im schlimmsten Fall ist der Hund mit der Situation so überfordert, dass es eskaliert - zum Schaden von allen Beteiligten.

Stellen Sie sich doch einfach mal vor, Sie wären an der Stelle Ihres Hundes. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie sich dagegen verwehren, von einem Fremden angefasst zu werden und Ihr Partner schimpft sie für Ihre Abwehr aus, statt dass er sie unterstützt und beschützt? Hat sich für Sie die Situation dadurch verbessert oder fühlt sich das Angefasst werden vielleicht besser an?

Hunde knurren... und sollen das auch dürfen!
Wie wir oben gesehen haben, gehört Knurren zum ganz normalen Verhaltensrepertoire eines Hundes.

Für dieses Knurren ganz es ganz verschiedene Gründe geben:

 

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Der Hund hat Angst und meint, er müsse sich verteidigen.
Sein Knurren ist eine Warnung, dass er beissen könnte, wenn ich so weitermache

 

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Der Hund hat Schmerzen und die Berührung macht ihm weh

 

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Der Hund befürchtet den Verlust einer für ihn wichtigen Ressource.
Er hat noch nicht gelernt, dass dies nicht nötig ist

 

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Der Hund beschützt Etwas oder Jemanden (seinen Menschen, das Haus, den Platz...)

 

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Aber auch frustrierte und gestresste Hunde reagieren in vielen Situationen schneller mit Abwehrverhalten

Das Knurren ist somit weder moralisch böse noch schlecht. Vielmehr ist es das akustische Warnsignal des Hundes, mit dem er seinem Gegenüber deutlich machen will, dass eine weiterer Annäherung nicht erwünscht und ggf. auch nicht geduldet wird. Gäbe es das Knurren nicht, was hätte der Hund alternativ als Ausdrucksmöglichkeit, um seinem Gegenüber mitzuteilen, dass ihm nicht wohl ist. Oder dass er seinem geliebten Knochen fernbleiben soll.

Lediglich das Ausmass und die Situationen in welcher ein Hund knurrt, sind ein Gradmesser dafür, ob das Knurren noch als angemessenes Verhalten bezeichnet werden darf oder nicht (siehe dazu auch "Verhaltensauffälligkeiten" und "Aggression")

Bevor ein Hund jedoch knurrt, hat er in der Regel schon ganz viele andere Signale an sein Gegenüber gesandt, die diesem signalisieren sollen, dass er Abstand wahren soll (siehe dazu auch "Calming Signals"). Sehr oft werden diese leisen Signale aber leider nicht beachtet oder auch falsch interpretiert, so dass der Hund in seiner Kommunikation eine Stufe höher steigen muss, um sich verständlich zu machen. Im Artikel "Die Eskalationsleiter des Hundes gehe ich näher darauf ein.

Hunde knurren...und sind deshalb noch lange nicht dominant
Es gibt viele Gründe, warum Hunde knurren. Aber was sicher ist, dass dabei Dominanz in den seltensten Fällen ein Rolle spielt. Im Gegenteil, in der Regel sind es die unsichereren Hunde, die häufiger zu den Mitteln der Distanzsicherung greifen. Ein sicherer, souveräner Hund braucht dies nicht, da seine natürlich Dominanz in der Regel von Anderen freiwillig anerkannt wird.

Aufgrund neuster Forschung weiss man heute, dass viele Techniken der Rangreduktion nicht nur nicht von Bedeutung sind, sondern oft sogar das Verhalten noch verschlimmern und gefährliche Situationen entstehen lassen können. Sie verunsichern den Hund, machen ihn ängstlich, oft auch gegenüber seinem Besitzer und führen im schlimmsten Fall zu Eskalation.

Ausserdem gibt es heute viel bessere Möglichkeiten und Wege, um ein solches Verhalten langfristig positiv zu verändern. Deshalb zeigen Sie Ihrem Hund, wie er sich in solchen Situationen richtig verhalten kann, damit es ihm und Ihnen besser geht.

Hunde knurren...helfen Sie Ihrem Hund
Indem...

 

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Sie das Knurren Ihres Hunden als augenblickliches Unwohlsein erkennen und akzeptieren

 

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Sie versuchen, die Situation aus Sicht Ihres Hundes zu sehen und den möglichen Auslöser zu erkennen

 

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Sie die Distanz zwischen Ihrem Hund und dem Auslöser vergrössern bzw. ihn nicht mehr weiter bedrängen (lassen)

 

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Sie Ihren Hund bei Bedarf auch ganz aus der Situation nehmen, so dass er dieser nicht weiter ausgeliefert ist

 

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Sie Ihrem Hund helfen, seine Haltung gegenüber dem Auslöser/einer Situation so zu verändern, dass er diese langfristig nicht mehr als bedrohlich wahrnehmen muss

Dafür bestens geeignet sind die Techniken der Gegenkonditionierung und Desensibilisierung, In deren Werkzeugkiste

 

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die konditionierte Entspannung

 

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Click for Blick" und "Zeigen und Benennen"

ebenso zu finden sind, wie Ruhe, Zeit und Geduld.

Hunde knurren...lassen Sie sie

Bestrafen Sie niemals Ihren Hund, wenn er knurrt. Sie erreichen damit vielleicht, dass er nicht mehr knurrt, seine negativen Gefühle und der damit verbunde Stress bleiben jedoch weiterhin bestehen. Er hat nun bloss keine Möglichkeit mehr, dies auch zu sagen.

Ausserdem nehmen Sie ihm mit dem Verbot auch ein wichtiges und häufig auch das einzige Warnsignal, welches die meisten Menschen und Tiere verstehen. So dass ihm am Ende vielleicht nichts anderes merh übrig bleiben könnte, als ohne Vorwarnung zu zu beissen, um sich aus einer für ihn beänstigenden Situation zu befreien. 

© 2013 - Teamschule - Monika Oberli