Die Eskalationsleiter des Hundes - oder mein Hund hat ohne Vorwarnung den anderen Hund attackiert

Stimmt diese Aussage wirklich? Fast immer lautet die Antwort "Nein".

Ein Hund zeigt in der Regel viele verschiedene Signale und Warnungen, bevor er  knurrt, zuschnappt oder gar angreift. Meist werden jedoch gerade die feinen und leisen Signale von uns Menschen nicht oder zu spät wahrgenommen. Erst wenn der Hund laut und heftiger wird, realisieren wir, dass der Hund einen Konflikt hat.

Einzig wenn der Mensch dem Hund diese Zeichen (bewusst oder unbewusst) abtrainiert hat, verzichtet er auf diese...entweder aus Angst, dafür bestraft zu werden oder weil er gelernt hat, dass er damit nichts verändern kann. Seine negativen Emotionen der Situation gegenüber haben sich deswegen aber nicht verändert. Im Gegenteil, sie werden noch schlimmer, denn nun fühlt er sich auch noch von seinem Besitzer unter Druck gesetzt.  

Die nachfolgende Grafik zeigt die reichhaltige Palette an Ausdrucksmöglichkeiten des Hundes, die dazu dienen, eine Situation nicht eskalieren zu lassen (von grün = alles gut bis hin zu dunkelrot = Eskalation) 

                   

Ungehemmtes, evt. mehrmaliges Zubeissen

 
                 

Packen, Gehemmtes Beissen ("nur" Hautverletzungen/Hämatom)

 
               

Zwicken, Schnappen ohne zu verletzen   

 

             

Drohende Körperhaltung, in die Luft schnappen

Fight *

           

Zähne zeigen, Zähne fletschen  

Drohignale

         

Knurren, Drohhaltung, Steif werden, Einfrieren

Freeze* / Drohsignale

       

Abducken, Einfrieren, Bellen

Freeze *

     

Flucht in Ersatzhandlungen (in Leine/Gras beissen), Rute einziehen, welpiges Verhalten

Flirt/Fiddle about *

   

Stärkere Beschwichtigungssignale (Körper abdrehen, Weggehen, Hinsetzen, Kratzen...)

Flight*

 

Hund will ausweichen, Unsicherheitszeichen (Züngeln, Blick/Kopf abdrehen, Schmatzen..)

Konfliktsignale

Entspannt  - Neutral

   TeamSchule.ch

 

* siehe dazu auch die "4 F""

    Einzelne Stufen der Eskalationsleiter können aber auch übersprungen werden - abhängig davon, ob der Hund schon erfahren hat, dass ihm diese nichts nutzen    

Trotzdem wünschen sich viele Menschen einen Hund, der nie knurrt und mit allen Hunden und Situationen klar kommt. Leider ist das nicht realistisch. Denn genau so wenig, wie ein Mensch immer nur nett, hilfsbereit und freundlich ist, ist dies ein Hund.

Auch ist es unfair, zu erwarten, dass der Hund einfach jede Situation aushalten oder sogar erdulden muss, ohne sich dazu äussern zu dürfen. Aber wie oft sieht man Hunde, die von ihrem Besitzer dafür getadelt werden (im besten Falle bleibt es dabei), wenn er einen anderen Hunden oder Menschen anknurrt. Da dieses Thema nicht in ein oder zwei Sätzen abgehandelt ist, findet ihr unter "Knurren" einen ausführlicheren Artikel.

Zeigt ein Hund eines der obigen Verhalten darf der Hund dafür weder bedroht noch körperlich bestraft werden!
Vielmehr muss in einem ersten Schritt deeskalierend gehandelt und in einem zweiten Schritt das Ganze analysiert und daraus ein entsprechendes Training abgeleitet werden. Alleine oder mit Unterstützung eines kompetenten Hundetrainers.

© 2015 - Teamschule - Monika Oberli