Alltagssituationen

Bestimmt kommt dir die eine oder andere der nachfolgend beschriebenen Situationen bekannt vor. Aber Dank den Informationen rund um die Calming Signals weisst du nun, dass der Hund nicht anders kann, als wie beschrieben zu reagieren.

o Du bist in Eile, musst aber noch schnell mit deinem Hund Gassi gehen. Aber ausgerechnet heute trödelt er. Und je mehr du ihn aufforderst, endlich schneller zu machen, desto langsamer wird. Und nun beginnt er erst noch überall herumzuschnüffeln, anstatt so schnell wie möglich sein Geschäft zu verrichten.

o Weit entfernt kommt dir ein Hund entgegen, von dem du weisst, dass es Stress geben wird. Aufgeregt rufst du deshalb deinen Hund zu dir. Aber anstatt, dass er auf schnellstem Weg zu dir kommt, schnüffelt er am Boden, bleibt stehen, leckt sich über die Nase und ignoriert dich am Ende ganz.  Der andere Hund kommt aber immer näher. Deshalb gehst du schnell zu deinem Hund, um ihn anzuleinen. Aber er weicht dir aus und du hast Mühe ihn einzufangen und auch an der Leine behält er sein Schneckentempo bei.

o Ein Fremder kommt auf deinen Hund zu und findet ihn so niedlich, dass er sich gleich über ihn beugt und ihn über den Kopf streichelt. Und obwohl sich dein Hund bereits über die Nase leckt und den Kopf abwendet, umarmt er ihn nun auch noch. Vielleicht akzeptiert dein Hund auch das noch, viel wahrscheinlicher wird er diese Bedrängung aber nun mit einem Knurren beantworten. Der Fremde weicht erschrocken zurück und schaut dich vorwurfsvoll an.

o Endlich wieder zu Hause, nimmst du die Leine mit hastigen Bewegungen ab und schickst den Hund auf seinen Platz. Dieser aber blickt zur Seite, leckt sich über die Nase und als du drohend auf ihn zugehst, um ihn an seinen Platz zu schicken, wirft er sich auf den Boden und fängt an allerlei Faxen zu machen und Kunststücke zu zeigen.

o Wenn du deinen Hund pflegst und es ihm zuviel wird, kann es sein, dass er anfängt zu blinzeln, zwischendurch auch mal schmatzt, gähnt und sich über den Fang leckt.

o Auch wenn er völlig überdreht ist, weil es nun gleich raus geht, fängt er vielleicht an zu gähnen. Damit versucht er sich zu beruhigen, bis es so weit ist.

All diese Beispiele zeigen, welche Beschwichtigungssignale ein Hund auch uns gegenüber aussendet. Indem du versuchst, diese zu lesen und beobachtest, welche Körpersignale du in diesem Augenblick zeigst, und sie entsprechend anpasst, kannst du ihm helfen, aus der stressigen Situation heraus zu kommen.

Und mit Sicherheit wären viele Beissunfälle vermeidbar, wenn besonders im Umgang mit Kindern darauf geachtet wird, dass die Beschwichtigungssignale des Hundes wahrgenommen werden und er ihn in diesen Momenten in Ruhe gelassen wird. Weil aber gerade Kinder meist noch nicht in der Lage dazu sind, dürfen sie nie mit einem Hund alleine gelassen werden - und sei er noch so lieb. Denn werden die Signale nicht beachtet, so sieht der Hund am Ende vielleicht keinen anderen Ausweg mehr, als zu knurren und sich vielleicht gar durch Schnappen oder Beissen aus der Bedrohung zu retten.

Aber du brauchst deinen Hund nun auch nicht jeden Augenblick zu beobachten oder ihm aus jeder brenzligen Situation heraus zu helfen. Denn gerade untereinander lassen es gut sozialisierte Hunde in dem meisten Fällen gar nicht erst zu wirklich kritischen Konflikten kommen. Und durch solche Situationen lernt der Hund auch mit Stress und Frustrationen umzugehen.

Ausserdem  nehmen die Hunde die subtilen Signale meist schon viel früher wahr als wir. Auch bedeutet eine bestimmte Geste nicht gleich höchste Alarmstufe. Erst wenn die Situation zu eskalieren droht, oder der Hund wirklich stark gestresst ist (starkes hecheln, zittern...) musst du helfend eingreifen. Vermeide dabei aber ein tröstendes Verhalten, denn sonst lernt der Hund nur, dass es richtig war, sich z.B. durch einen Schuss stressen zu lassen.

Auch sind manche Hunde bei besonders grosser Aufregung, Angst oder Stress gar nicht mehr in der Lage Calming Signals auszusenden. Sie haben dann genug mit Stressabbau oder Verteidigung zu tun und werden so leicht zum Opfer von anderen Hunden und am Ende vor lauter Stress auch noch krank.

Ich hoffe, die vorliegenden Seiten haben dir aber auch gezeigt, wie wichtig es ist, dass du nicht jedes aus Menschensicht unerwünschte Verhalten unterdrückst.

Vielmehr solltest du deinem Hund die Chance geben, seine Signale artgerecht einzusetzen und ihm so die innerartlichen Kontakte zu ermöglichen, die für ein glückliches Hundeleben wichtig sind. Und lass dir auch nicht einreden, dass einzelne Hunderassen aggressiver sind als andere.

Denn ein normal entwickelter Hund ist weder gut noch böse, sondern handelt nach seinen Instinkten. Erst wenn der Mensch diese unterbindet, oder durch schlechte Haltungsbedingungen ein Tier quält, kann es zu der "Bestie" werden, von der man am Ende in der Zeitung liest.